Ich träumte von Verfolgung. Versteckt hinter einer Tür wartete ich ob mein Verfolger den Raum betrat. Ich zitterte vor Angst. Mein Herz raste, ich konnte kaum atmen. Ich überlegte meine nächsten Schritte, dachte an Fluchtwege. Mein Verfolger war mir nah, ich rannte durch den Flur, die Treppe hinauf, verstecke mich wieder. Er sollte mich nicht finden, grauenvolle Dinge schwanten mir, sollte er mich aufspüren. Wieder rannte ich, das Haus bot kaum Verstecke. Ich konnte nicht entfliehen, wusste nicht mehr weiter. Bald würde er mich finden.
Ich träumte von Sex. Er lag auf dem Bett, einladend sah er mich an. Ich lachte, sein Lächeln ließ mich erschaudern. Ich legte mich neben ihn, er nahm mich in die Arme, küsste mich, wie nur er es konnte. Schon bald lag unsere Kleidung auf dem Boden; in wilder Lust wälzten wir uns über das Bett, zerwühlten die Laken, gaben uns den Trieben hin. Seine Berührungen ließen mir keine Ruhe, unsere Körper rieben aneinander. Er über mir, er in mir; immer schneller trieben wir dem Höhepunkt entgegen. Die Gefühle überwältigten mich, ich konnte kaum noch atmen.
Ich träumte vom Reisen. Ich saß im Zug, schnell zog die fremde Landschaft am Fenster vorbei. Die Reise war wichtig, brachte mich an ein lang ersehntes Ziel. Meine Mitreisenden redeten, lachten, vertrieben sich die Zeit. Junge und alte Menschen saßen im Zug, schienen mich nicht zu bemerken. Ich gab mich den Beobachtungen hin, dachte mir zu einzelnen Geschichten aus. Bald würden wir ankommen und ich würde glücklich, erleichtert sein. Bald.
Ich träumte von Liebe. Zärtliche Blicke warf er mir zu, leise Worte sprach er zu mir. Liebe lag in der Luft, man konnte sie förmlich greifen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, er war bei mir, liebte mich und ich ihn. Leichte Berührungen, gehauchte Liebkosungen, es war einfach nur schön. Dieser Moment sollte ewig dauern. In seinen Armen fühlte ich mich glücklich und geborgen. Nur ein Blick reichte, um alles auszusprechen was wir fühlten. Magie. Glück. Liebe.
Ich träumte von dir. Mein Liebling, mein größtes Glück, meine Tochter. Ich konnte meine Augen nicht von dir lassen, Stolz und Liebe erfüllten mich. Du sahst deinem Vater ähnlich, hattest einige meiner Charaktereigenschaften. Deine wilden Locken habe ich dir vererbt, deine Unbekümmertheit schenkte dir dein Vater. Intelligenz, Wissenshunger, Neugier, Lebensfreude ließen dich erstrahlen. Unbekümmert liefst du zu mir, umarmtest mich, erzähltest mir deine neuesten Abenteuer. Neugierig entdecktest du die Welt um dich, stelltest Fragen, suchtest nach Antworten. Ich spielte mit dir, las dir vor, lachte mit dir. Mein Herz gehörte dir. Nie hätte ich gedacht, dass mir das Glück in Gestalt eines kleinen Mädchen begegnen würde. Ich freu mich auf dich.
Träume vieler Nächte
Verfolgen mich in den Tag
Einige sollen Träume bleiben
Andere wahr werden
Juni 2007