Nach Jahren des Nachfragens und immer wieder Abgelehntwerdens wurde mir nun endlich eine Weiterbildung vom Arbeitsamt genehmigt. Ich bin also frohen Mutes in die Schule, hab mich über deren Angebot informiert und mich für alle möglichen Sachen eingeschrieben. Fünf Monate Schule und ein Praktikum. Klingt klasse, ich bin dabei.
Jetzt sitz ich also wieder in der Schule. Ich mein, ich war nie eine fleißige Schülerin, war mit meinem durchschnittlichen Notendurchschnitt immer zufrieden, hatte meinen Spaß an der Freude und bin gerne zur Schule gegangen. Jetzt, wo ich sechs Jahre aus der Schule raus bin, ist es ein bisschen gewöhnungsbedürftig, sich wirklich wieder hinzusetzen und zu lernen.
Gott sei Dank kenn ich den meisten Mist schon und es gibt keine Hausaufgaben. Aber das so frühe Aufstehen (hey, dat is noch dunkel draußen!), zum Zug rennen und dann in der Kälte stehen, wenn er mal wieder zu spät kommt, geht mir tierisch auf den Geist. Boah, ich dachte, die Zeiten sind vorbei. Wenigstens hab ich früh nette Begleitung und kann mich unterhalten.
Und dann die Schule selbst. Ich kann bestimmen, was ich denn so machen will. Klar, klingt wunderbar, in der Theorie. Die Praxis sieht natürlich anders aus. Wenn ein Zimmer voll ist, ist es voll. Also nix mit aussuchen. Wenn ein Dozent keine Zeit für mich hat, hab ich Pech. Versuchen wir es doch morgen noch einmal. Natürlich darf ich mich auch nicht dorthin setzen, wo ich will. Nein, das wäre ja zu einfach. Platzzuweisung von den älteren Kursteilnehmern ist angesagt.
„Sie können hier nicht sitzen, da sitzt die Anneliese!“ Die wer? Was? Guten Morgen auch Ihnen!
Dann sitz ich endlich, die Dozentin kommt und fängt erst einmal an, sich um die Alteingesessenen zu kümmern. Hm, und was mach ich??? Ah, das Internet ist freigeschaltet. Check ich doch mal meine E-mails, schau in den Foren vorbei und ich wollte doch schon ewig mal nach neuen Fotos von Stargate Atlantis schauen. Ups, die erste Stunde ist vorbei und ich hab nix gemacht! Na, die zweite Stunde wird bestimmt besser. Denkste, nix da von wegen individueller Unterricht wie er versprochen war. Ich sitz da und werd ignoriert. Und ich bin nicht die einzige. Mindestens fünf andere Kursteilnehmer sitzen ebenso sinnlos da und starren Löcher in die Luft.
Nach der Mittagspause dann endlich eine Aufgabe. Aber halt, Rechnungswesen? Dafür hab ich mich nicht eingetragen. Das hatte ich schon, ich kenn das alles. Ich wollte Finanzbuchhaltung am PC lernen. Hm, ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen und erinnere die Dozentin daran.
„Aber es schadet doch nicht, die Grundlagen noch einmal aufzufrischen, oder?“
Ja, vielleicht, aber nicht, wenn sie beim Urschleim anfängt. Ich weiß, wie ‘ne Bilanz aussehen muss, was ins Inventar gehört und wie man ein Konto führt. Mein Einspruch wird allerdings gekonnt ignoriert.
Zähneknirschend mach ich mich also an die Aufgabe, bin wie vorhergesehen viel zu schnell fertig und sitze wieder da wie bestellt und nicht abgeholt. Die nächste Pause kommt und geht, die Zigarette hilft, den Ärger abzubauen und ich sitz wieder im Unterricht. Aber wenn ich jetzt erwartet habe, dass die gestellte Aufgabe kontrolliert wird, lieg ich mal wieder falsch. Ich werde weiterhin ignoriert. Die Dozentin schwafelt, hilft den anderen bei ihren Buchungen und verbreitet ihr sonniges Gemüt, dass ich Aggressionen entwickle wie schon lange nicht mehr. Ich zähle die Minuten, bis ich endlich nach Hause gehen kann.
Und so geht das nun seit einer Woche. Entweder die haben vor Weihnachten keine Lust mehr richtig zu arbeiten – aber warum sollte ich dann unbedingt noch im Dezember anfangen – oder aber die haben sich mit ihrem „individuellem Unterricht“ mächtig übernommen. Bei dem Informationsgespräch hat man hier noch geprahlt, es würde wie in einer Universität ablaufen. Das ist ja lachhaft. In der Uni lernt man was, hier verbessere ich höchstens meine Beiträge im Forum oder finde süße Bilder von Paul McGillion.
Nun, ich will jetzt noch bis Januar warten. Wenn sich dann nichts ändert, werde ich mich mal an die Schulleitung wenden. So kann es nun wirklich nicht weitergehen.
*lol* klingt ja fantastisch…
So ganz und gar nicht lohnenswert gell… na ich bin ja mal gespannt was und ob sich überhaupt was tut…
Nun ja, jetzt ist es besser geworden. Letzte Woche habe ich tatsächlich effektiv Buchhaltung gemacht. Wow. Nachdem ich meinen beiden Mitstreiterinnen Buchhaltung erklärt hatte (weil die beiden tatsächlich von nix ‘ne Ahnung haben) war die Dozentin sehr verwundert, als ich ihr zum soundso vielten Mal gesagt hatte, dass ich das alles verdammt noch mal schon gelernt habe. Dann hat sie sich mit mir hingesetzt und mir das Programm erklärt, mit dem ich buchen soll. Dankeschön. Endlich! Also hatte ich die Woche was zu tun…